Gartenpark Havelhöhe   2000-2016

Im Rahmen einer über 15-jährigen Zusammenarbeit wurden zentrale Bereiche des ca. 16 ha umfassenden Gartenparks des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe naturnah umgestaltet, in Verbindung mit der Gebäudesanierung. Aufgabe war es, die streng symmetrische, die sanfte Havellandschaft überformende Anlage aus den 30er Jahren in eine über die Sinne den ganzen Menschen anregende Parklandschaft zu verwandeln.  Intensive Studien der Atmosphären, Qualitäten und Defizite des Geländes begleiteten die Umsetzung.


Als Gestaltungsmittel wurde Asphalt reduziert zugunsten schwingender Pflasterflächen, mäandrierende Parkwege verbinden die Gebäude entlang von Wiesen und Waldflächen.
Wildblumenwiesen und mit Natursteinen eingefasste Staudenbeete setzen Blühakzente zu jeder Jahreszeit und sind gleichzeitig wertvolle Nahrungsflächen für Bienen, Wildbienen und andere Insekten sowie für Vögel in Verbindung mit dem umfangreichen Baumbestand des Parks.

Eine lebendige Naturbeziehung aufbauen – Atmosphären bewusst gestalten
 

Jede Landschaft, wirkt als umfassendes Ganzes und hat einen einzigartigen Charakter, der uns spontan seelisch berührt. Gleichzeitig fühlen wir uns belebt und erfrischt, wenn wir durch eine als „schön“ erlebte Landschaft gehen, während ein monotoner oder unharmonischer Ort ermüdend wirkt. Das sind Wirkungen der Umgebung auf unsere Lebenskräfte und das seelische Befinden, die zwar meist unbewusst aber dennoch sehr wirksam sind.
     Besonders Menschen mit einer hohen Sensibilität und/oder mit einem bestimmten Unterstützungsbedarf sind empfänglich für die Atmosphäre eines Ortes und der landschaftlichen Umgebung. Dabei entfaltet jede Einzelheit unmittelbar erlebbare Qualitäten: die Naturgrundlage mit dem Gestein und dem Relief, die Wasserläufe, markante Einzelbäume, die Gliederung in Wiesen, Äcker, Wald und Obstwiesen, der Stil der Bewirtschaftung ebenso wie die Spuren der Vergangenheit prägen die Atmosphäre eines Ortes.  

 

Umgekehrt verändern ein neues Gebäude, die Erweiterung der Flächen oder ein Wechsel in der Betriebsleitung den Charakter des Ganzen. Solche Ereignisse sind daher eine gute Gelegenheit, sich der Qualitäten und Defizite des Gesamten bewusst zu werden. Die Frage nach der Identität eines Ortes kann auch ein hilfreicher Impuls sein bei Unstimmigkeiten im Team.
     Indem sich die verantwortlichen Menschen gemeinsam den unterschiedlichen Bereichen eines Hofes oder der Umgebung einer Einrichtung zuwenden, Atmosphären und Qualitäten aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrnehmen und beschreiben, entsteht nach und nach ein zusammenhängendes Bild dessen, was das Besondere, das Wesen des Ortes ausmacht. Es kann wohltuend sein, gerade auch weniger beachtete Orte miteinzubeziehen. Im Zuhören und Mitteilen der Erfahrungen zeigt sich, dass die Wahrnehmungen individuell verschieden sind. Jedoch ergänzen sich die verschiedenen Blickrichtungen zu einem umfassenden Ganzen, in dem sich alle wiederfinden. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die persönlichen Urteile und Erlebnisse konkret auf die sinnliche Wahrnehmung beziehen.


Der Beitrag jedes Einzelnen ist wichtig und wird von den anderen wahrgenommen. Diese beglückende Erfahrung kann ein Team entscheidend inspirieren und die Gemeinschaft stärken. Gleichzeitig bildet das Ergebnis eine gute Grundlage für anstehende Entscheidungen und die zukünftige Entwicklung eines Hofes oder einer therapeutischen Einrichtung. Die Vorgehensweise knüpft an die Arbeit von Jochen Bockemühl & Mitarbeitern an, die aktuell durch die europäische Landschaftsakademie PETRARCA weiter gepflegt wird.

     Als Beispiel, wie eine solche Verbindung mit dem Charakter und der Identität eines Ortes hilft, umfassende Ziele für die praktische Umgestaltung festzulegen und den Prozess zu begleiten, sei die über 15-jährige Entwicklung auf dem Gelände des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Berlin skizziert. Der ca. 16 ha umfassende Gartenpark liegt direkt auf dem durch Dünen erhöhten Talrand der Havel, wobei der Ausblick auf die weite, milde Flusslandschaft völlig zugewachsen war. Neu ankommend konnte man nicht erleben, warum der Ort „Havelhöhe“ heißt. Wiesen mit schönem alten Baumbestand, vor allem Buchen und Eichen wechseln ab mit überwiegend jüngerem Laubmischwald, der sich natürlich entwickelt hat. Besonders die randlichen extensiv gemähten Wiesen sind artenreiche Trockenwiesen bis hin zu Sandtrockenrasen. Der Gehölzreichtum zieht viele Vogelarten an, so dass mit Nachtigall, Sprosser, Girlitz u. a. im Frühling ein reiches Konzert zu hören ist.
     Dagegen liegen die gleichförmig langgestreckten Gebäude im Kasernenstil rechteckig angeordnet und werden durch breite Asphaltstraßen erschlossen. Parallel zur Hauptachse Richtung Havelböschung verliefen graue Pflasterwege, die die Straße noch breiter erscheinen ließen. Durch den weiteren Park gab es vor allem Trampelpfade. Monotone gleichförmig steile Böschungen um die Gebäude trennen diese von der umgebenden Parklandschaft. Während die Vorderseite der Gebäude durch asphaltierte Bereiche sehr hart und karg wirkt, hatte sich auf der Rückseite vielfach ein wilder Pionierwald z. T. bis dicht an die Fassade ausgebreitet.

 

Nach dem Entschluss der Geschäftsführung mit dem Umbau der Gebäude auch die Grünanlage neu zu gestalten, bildete sich eine GartenAG, die im 1. Jahr an vier Treffen von Frühjahr bis Herbst wesentliche Bereiche gemeinsam wahrgenommen hat mit anschließender Reflektion und Austausch der Erfahrungen. Aufgabe war u. a. den ersten Eindruck festzuhalten, dann erlebbare Räume, Strukturen und Farben, Pflanzen, Tiere und auffällige Details zu beschreiben und anschließend den anderen mitzuteilen. Zusammenfassend wurde versucht für jeden Ort ein sprechendes Bild zu finden oder dem Ort einen Namen zu geben. Wesentliche Ergebnisse wurden protokolliert und in verschiedenen Farben auf einem Geländeplan eingetragen.
     Für die Umgebung eines der Hauptgebäude wurde anknüpfend an die Idee der Landschaft als Organismus folgendes Bild gefunden: der Umgebungscharakter ist polar: einerseits Verhärtung (sklerotisierter Kopf- und Nervenpol - Asphaltbereiche) und andererseits eine Form auflösende, chaotische Tendenz (Stoffwechselorganisation - Pionierwald), die unvermittelt aufeinandertreffen. Es fehlt die ausgleichende rhythmische Mitte.

Für eine Klinik, in der Patienten aus einem ganzheitlichen Menschenverständnis heraus Genesung und Heilung finden sollen, eine nicht unwichtige Erkenntnis. Neben den Ergebnissen der Geländewahrnehmung in Verbindung mit den landschaftlichen Elementen der Umgebung waren vor allem die Bedürfnisse der Patienten nach Bewegungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten in einer anregenden Natur richtungsweisend für die Neugestaltung.
     So wurden Sichtachsen auf die Havelniederung geschaffen, indem Jungbäume, primär die Spätblühende Traubenkirsche ausgelichtet und einige Bäume aufgeastet wurden. Die Pflasterwege parallel zur Hauptachse wurden rückgebaut, dafür Linden, Wildkirschen und Strauchgruppen gepflanzt, Wiesensäume angesät und mit Natursteinen eingefasste Staudenbeete angelegt. Die Fußwege wurden als mäandrierende Parkwege in die Wiese verlegt. Es war verblüffend zu erleben, wie stark sich der Charakter der Anlage mit der Umgestaltung auf einem nur vier Meter breiten Streifen verändert hat!

Der Asphalt in den Eingangsbereichen wurde teilweise entsiegelt und begrünt, indem die Erschließung auf das Mindestmaß beschränkt und als farbige schwingende Pflasterfläche ausgeführt wurde.

Die Böschungen wurden abgeflacht, wellig modelliert und ebenfalls mit einheimischen Wildkräutermischungen eingesät; im Innenhof wurden Pflanzmotive aus der Umgebung integriert wie Waldkiefer mit Heide und Trockenrasen im Unterwuchs u.v.m.

Eine solche, die Naturbegabung einbeziehende Gestaltung muss nicht teurer sein, im Gegenteil! Es braucht allerdings eine gewisse Fachkenntnis und eine Pflege, die mit der Idee des Ganzen vertraut ist.
Kontakt:  Sonja Schürger, Dipl. Biologin, Landschaftsgestalterin & Gartentherapeutin E-Mail:  info@landschaftsgarten.net

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SONJA SCHÜRGER   |   Berlin

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